Dieter Althaus

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Wettbewerb statt Einheitsbrei

Ministerpr├Ąsident und CDU-Landesvorsitzender Dieter Althaus (CDU) verteidigt das differenzierte Schulsystem.

Beer: Herr Althaus, am Dienstag wird die neue PISA-Studie ver├Âffentlicht. Th├╝ringen belegte zuletzt einen guten vierten Platz. Kritik gab es an der mangelnden Nutzung von Computern. Was hat sich seitdem getan, welche Ergebnisse erwarten Sie diesmal?

Althaus: Wir haben die Kritik ernst genommen. Gerade die Nutzung von Informationstechnologien wurde in Th├╝ringen verbessert. Ich gehe deshalb davon aus, dass der neue Vergleich gut oder sogar noch besser ausf├Ąllt.

Beer: Moderator J├Ârg Pilawa fordert die Einf├╝hrung des Unterrichtsfachs Medienbildung aufgrund des unkontrollierten Internetkonsums von Kindern. In Th├╝ringen gibt es dieses Fach bereits. Mit welchen Erfahrungen?

Althaus: Das Fach wird sehr gut angenommen, weil dieses Medium jetzt allen F├Ąchern zur Verf├╝gung steht. F├╝r die Kinder ist es eine gute Erg├Ąnzung zur privaten Internetnutzung. Die Medienkompetenz ist ganz entscheidend. Kinder m├╝ssen fr├╝h das Internet kennen lernen und Erfahrungen sammeln.

Beer: Auch im Bildungsmonitor hat der Freistaat mit Platz drei gut abgeschnitten. Was ist das Markenzeichen des Th├╝ringer Systems?

Althaus: Zum einen haben wir die wohnortnahe Schule gesichert. Dar├╝ber hinaus gibt es eine Abstimmung auf den einzelnen Sch├╝ler durch die Differenzierung. Es besteht f├╝r jeden die Chance, optimal gef├Ârdert zu werden und zu maximaler Leistung zu kommen. Und: Wir sorgen f├╝r finanzielle Sicherheit.

Beer: In welchen Bereichen gibt es Handlungsbedarf, um die Sch├╝ler individuell st├Ąrker zu f├Ârdern?

Althaus: Erstens, die Eigenverantwortung muss gest├Ąrkt werden. Schulen leben in einem bestimmten wirtschaftlichen und sozialen Umfeld, zu dem sie mit eigenen Konzepten eine Verbindung schaffen m├╝ssen. Auch die Leistungsprofile sollten immer ├╝berpr├╝ft und angepasst werden. Zweitens muss Bildung schon aus dem Kindergarten heraus erfolgen. Drittens ist es wichtig, Fort- und Weiterbildungen der Lehrer aktiv zu betreiben. Im Moment entwickeln wir die gymnasiale Oberstufe weiter, um die Studierf├Ąhigkeit zu sichern.

Beer: Flie├čen auch Alternativen wie zum Beispiel die Walldorfp├Ądagogik in die Bildungspl├Ąne ein?

Althaus: Es war ein gro├čer Gewinn der Wiedervereinigung, dass wir als Land gro├čer p├Ądagogischer Tradition diese auch wieder nutzen konnten. Wir haben heute Schulen, die sich stark auf refomp├Ądagogische Ans├Ątze beziehen. Diese speziellen Elemente werden auch zum Teil in staatlichen Schulen angewandt.
Der Dialog zwischen reformp├Ądagogischen Ans├Ątzen und allgemeiner P├Ądagogik ist f├╝r beide Seiten befruchtend.

Beer: Was braucht Deutschland: Einheitsschulen oder Wettbewerb?

Althaus: Wettbewerb ist besser. Wir haben 27 Staaten in Europa, die im Wettbewerb stehen. Da schadet es nichts, wenn es bei den Bundesl├Ąndern genauso ist. Wichtig ist, dass wir in Grundprinzipien Standards setzen. Wir wollen aus dem Wettbewerb Anreize mitnehmen und besser werden. W├╝rden wir ihn aufl├Âsen, bek├Ąmen ├Âffentliche Schulen Probleme. Es w├╝rde mehr Privatschulen geben. ├ťber Bildung w├╝rde der Geldbeutel der Eltern entscheiden. Das wollen wir nicht.

Beer: Trotzdem wird von vielen l├Ąngeres gemeinsames Lernen gefordert, das in skandinavischen L├Ąndern erfolgreich ist...

Althaus: Wenn man sich die PISA-Studie anschaut, sieht man, dass der Erfolg nicht vom System abh├Ąngig ist, sondern von Inhalten. Skandinavien steht mit vorn, aber auch Bayern, Baden-W├╝rttemberg und Th├╝ringen. Die inhaltlichen Fragen sind entscheidend  Differenzierung, Durchl├Ąssigkeit und Bildungsstandards.

Beer: Ihre Partei hat mehrfach gefordert, die DDR-Diktatur in den Schulen besser aufzuarbeiten. Warum gibt es dennoch keine verbindliche Vorgabe?

Althaus: Im Lehrplan steht dieses Thema. Die Frage ist, wie die Aufgabe erf├╝llt wird. Das ist auch unsere Bitte: junge Menschen mit der Wirklichkeit des SED-Staates vertraut zu machen, mit Projekten, Besuchen von Gedenkst├Ątten oder durch das Gespr├Ąch mit Zeitzeugen.

Beer: Aber der Lehrplan ist diesbez├╝glich d├╝nn...

Althaus: Er muss mit Stoff gef├╝llt werden, Materialien stehen doch zur Verf├╝gung. Das muss jeder Lehrer selbst tun. Gleichzeitig ist ein fach├╝bergreifendes Klima der realistischen Geschichtsdarstellung wichtig. Lehrpl├Ąne sollten nie detailliert Vorgaben machen, sondern Ziele formulieren. In der Umsetzung muss man eine Hilfestellung geben.

Beer: Wie kann so eine Hilfe aussehen? Nur etwa zehn Prozent der Schulklassen, die 2007 Th├╝ringer Grenzmuseen besuchten, stammten aus Th├╝ringen.

Althaus: Ich glaube, es gibt eine Abgrenzung, weil jeder seine eigenen Erfahrungen hat. Das individuelle Bild des positiv gelebten Lebens soll erweitert und erg├Ąnzt werden um das generelle Bild der Gesellschaft. Da gibt es viel zu tun, damit nicht der Eindruck entsteht, das individuell positiv gelebte Leben soll in Misskredit gebracht werden. Es geht um die Aufarbeitung der Unrechtsstruktur der DDR. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe.

Beer: Als ehemaliger Lehrer kennen Sie sich gut mit Zensuren aus. Welche Note geben Sie dem Th├╝ringer Bildungssystem?

Althaus: Eine 2+. Das ist eine gute Note, die zeigt: Es gibt noch Spielraum nach oben.

Mit Dieter Althaus sprach AA-Chefredakteur Emanuel Beer (16.11.2008).

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