Dieter Althaus

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Interview der Leipziger Volkszeitung mit Dieter Althaus zur Lage der CDU Th├╝ringen im Vorfeld der Wahlen 2009 (30.10.2008)

Frage: Manche sind verwundert ├╝ber die Farblosigkeit der CDU-Alleinregierung in Th├╝ringen. Weshalb sollten Sie bei der n├Ąchsten Wahl trotzdem eine neuerliche Chance verdient haben?

Dieter Althaus: Das Land hat sich sehr gut entwickelt. Es steht besonders unter den neuen L├Ąndern, bei allen wesentlichen Daten mit in der Spitzengruppe. Das hat etwas mit dem Aufbauwillen der Menschen zu tun, aber auch mit der guten F├╝hrung der CDU seit 1990. Und diesen erfolgreichen Weg werden wir weitergehen.

Planen Sie einen scharfen rot-roten Abgrenzungswahlkampf?

Klar ist: Der Gegner ist Die Linke. Sie hat kein Konzept f├╝r eine freiheitliche Gesellschaft. Das wird immer wieder deutlich, gerade in Krisensituationen. Aber unser Wahlkampf wird sich auf die St├Ąrken Th├╝ringens beziehen. Und zweitens setzt unser Wahlkampf auf die Menschen in diesem Land. Wir werden inhaltlich punkten ÔÇô mit einer gut aufgestellten Partei.

Sie galten einmal als Kanzlerinnen-Vertrauter, als Angies Mann f├╝r den Osten. Davon ist nicht mehr viel zu sp├╝ren. Haben Sie sich emanzipiert, oder die Kanzlerin von Ihnen?

Ich war in ihrem Team 2005. Ich bin auch heute regelm├Ą├čig mit ihr im Gespr├Ąch. Wir stimmen wichtige Dinge ab. An dem Leitantrag f├╝r den kommenden Bundesparteitag habe ich miterarbeitet. Insofern sehe ich da keine Ver├Ąnderung. Aber nat├╝rlich, die Kanzlerin hat einen riesigen Berg von Arbeit und ich habe im Land eine Menge zu tun. Wir sind beide in unseren Verantwortungsbereichen stark engagiert.

Wie erkl├Ąren Sie sich, dass Sie derzeit f├╝r Schmutziges als Zielobjekt dienen? Erst die behauptete Baby-Geschichte, jetzt Berichte ├╝ber Ihre merkw├╝rdige Zwischenpositionierung am Tag des Mauerfalls - einerseits haben Sie bei der Montagsdemo am 23. Oktober 1989 in Heiligenstadt mitgemacht, andererseits schrieben Sie als Vize-Schulleiter am 9. November 1989 in einem Brief ├╝ber die Notwendigkeit des marxistisch-leninistischen Grundbekenntnisses bei der Jugendweihe?

Man will mich politisch-moralisch diskreditieren, denn an all den Vorw├╝rfen ist nie etwas dran gewesen. Ich habe auch juristisch daf├╝r gesorgt, dass ich die Schmutzkampagne, die mich pers├Ânlich und meine Familie traf, nicht mehr l├Ąnger erdulden muss. Was die Wendezeit betrifft, so sind Leute offenbar daran interessiert, mich feige zu attackieren, indem sie selektiv Briefe analysieren und interpretieren. Wer den fraglichen Brief liest, der wei├č, der Inhalt war eine Provokation. Ich wollte die Jugendweihe wieder zu dem machen, was sie eigentlich war: ein klares Bekenntnis zum Marxismus. Gleichzeitig habe ich in dem Brief eben auch gefordert, dass zuk├╝nftig die Jugendweihe nicht mehr an der Schule stattfinden darf und dass deshalb Christen zum Beispiel gerade in meiner Heimat nicht mehr unter Druck geraten d├╝rfen. Das war eine mutige Forderung ÔÇô im Einklang mit der Kirche. Wer da mit Schmutz schmei├čt und warum, ist mir nicht klar. Aber das geh├Ârt leider auch zum politischen Gesch├Ąft. Ich erhalte viel Unterst├╝tzung in diesen Tagen, auch von Weggef├Ąhrten, die die Wendezeit erlebt haben.

Ihr SPD-Kontrahent Christoph Matschie meint, Ihr Hauptproblem sei die Glaubw├╝rdigkeit. Trifft Sie das?

Das ist eine dumme ├äu├čerung. Als ich die Wende schon mit bewegt habe, sa├čen noch viele andere etwas verst├Ârt vor dem Fernseher. Wir haben in meiner Heimat nicht nur Demonstrationen organisiert, sondern wir haben ver├Ąndert. Bei mir gibt es keine Glaubw├╝rdigkeitsl├╝cke.

War es wichtig, dass mit der Verschmelzung der Ost-Block-CDU mit der Kohl-CDU auch die ostdeutschen Parteistrukturen gerettet wurden?

Nat├╝rlich. Wir haben die gleichen Wurzeln. Durch die SED-Gleichschaltung musste die CDU der DDR ein St├╝ck Systemverantwortung mit ├╝bernehmen. Zum Teil geschah das auch freiwillig. Aber es gab auch viele aufrechte Freunde, die die Idee der christlichen Demokratie bei uns in der Nische in den Zeiten der Diktatur wach gehalten haben. Deshalb war es auch vern├╝nftig, dass Helmut Kohl im Jahr 1989/90 entschieden hat, dass wir uns auseinandersetzen mit der Vergangenheit, dass wir auch klare Schlussstriche ziehen, aber auch, dass wir uns auf einem gemeinsamen Zukunftsweg bewegen.

Wieso wirbt Ihr CDU-Kollege B├Âhmer f├╝r mehr Selbstkritik auch wegen der schnellen CDU-Vereinigung. Wieso wirbt CDU-Generalsekret├Ąr Pofalla um mehr Offenheit, da die Ost-CDU ÔÇ×im totalit├Ąren System mitgewirktÔÇť habe?

Die aktuelle Diskussion ist etwas aufgeregt. InTh├╝ringen haben wir diese nicht immer einfache Aufarbeitung durchgestanden.Wir haben uns dazu auch klar in unseren Programmen bekannt. Aufarbeitung hei├čt, die Geschichte genau zu analysieren und zu differenzieren. Wir sind zu klaren Entscheidungen gekommen.Das kann man auch in unserer Programmatik nachlesen, die wir erneut 2007 ├╝berarbeitet und verabschiedet haben.

Als Politiker sp├╝rt man, wie man so dasteht: Haben Sie Ihre Zukunft noch vor sich, oder schon fast hinter sich?

Auch in einem Jahr bin ich weiterhin Ministerpr├Ąsident in Th├╝ringen. Dann liegen f├╝nf neue wichtige Jahre vor uns. Und die will ich gerne mit viel Engagement f├╝r Th├╝ringen nutzen.

Interview: Dieter Wonka

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