Dieter Althaus

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Interview: Althaus bekennt sich zu Bauhaus 2009

Mit der TLZ sprach Dieter Althaus über das Bauhaus-Jahr 2009 und sichert die Unterstützung für die große Ausstellung „Bauhaus klassich" zu.

Herr Dieter Althaus, bitte vollenden Sie folgenden Halbsatz: „Bauhaus ist für mich..."

Dieter Althaus: ... sowohl Tradition als im Besonderen Zukunft.

Außer Ihnen schien am Mittwoch zunächst niemand zu wissen, dass es keine Landesausstellung zu Bauhaus geben wird.

ALTHAUS: Das Jahr 2009 steht natürlich unter der besonderen Überschrift Bauhaus – nicht nur in Weimar, sondern in ganz Deutschland. Es war abgestimmt, dass wir als Landesregierung in Weimar die große Ausstellung "Bauhaus klassisch" unterstützen. Das ist ein Gesamtprojekt des Bauhausmuseums, des Goethe Nationalmuseums, des Stadtmuseums und des Schiller Museums, das von März bis Juni 2009 stattfinden soll und insbesondere die Geschichte von 1919 bis 1925 in den Blick nimmt. Zweitens war klar, dass die weiteren Projekte in Erfurt, in Jena, in Apolda zum Bauhaus mit in das Gesamtprogramm einbezogen werden. Und drittens stand fest, dass das nationale Engagement, das in Berlin organisiert wird, die Ausstellung des Bauhaus-Archivs im Walter-Gropius-Bau, von Thüringen unterstützt und inhaltlich mitgetragen wird.Weil das eine besondere Chance ist, nicht nur in Berlin präsent zu sein, sondern auch im Herbst im Museum of Modern Art in New York.

Um auf das offensichtliche Kommunikationsdefizit zurückzukommen: Selbst Ihr Kulturstaatssekretär Walter Bauer-Wabnegg und die CDU-Landtagsfraktionschefin Christine Lieberknecht wussten nach eigenem Bekunden von nichts.

ALTHAUS: Diese Entscheidung ist eine Kabinettsangelegenheit. Wir hatten die Projekte schon vor einigen Monaten in Auftrag gegeben. Auch das Kultusministerium hat die ganzen Projekte, die ich gerade angesprochen habe, mitaufgenommen. Ich bin mir da mit dem Kultusminister völlig einig.

Also hat nur Ihr Kulturstaatssekretär gepennt?

ALTHAUS: Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich kann nicht in den Kopf eines Staatssekretärs schauen. Aber mit Kultusminister Goebel bin ich mir, wie gesagt, einig. Übrigens auch mit dem Rektor der Bauhaus-Universität, Professor Gerd Zimmermann. Es wird an der Bauhaus-Uni ein Zukunftsforum geben.

Im TLZ-Interview ergänzte Bauer-Wabnegg den Satz: „Aber es kann natürlich sein..," mit „...dass da jemand verrückt spielt." Fühlen Sie sich angesprochen?

ALTHAUS: Nein. Ich weiß nicht, wen er gemeint hat. Wir haben sowohl in der Vorkonferenz als auch in der Kabinettssitzung das Thema behandelt und klare Beschlüsse gefasst, und Herr Bauer-Wabnegg war in der Vorkonferenz anwesend.

Sie haben mit ihm noch nicht darüber gesprochen?

ALTHAUS: Ich habe heute noch nicht mit ihm darüber gesprochen.

Festzuhalten bleibt: Es gab erhebliche Irritationen....

ALTHAUS: ...überhaupt nicht. Wo sollen denn Irritationen entstanden sein?

Klassik-Stiftung-Präsident Hellmut Seemann und sein Vize, der Kulturamtsleiter des Weimarer Landes, Hans-Jürgen Giese, zeigten sich äußerst irritiert.

ALTHAUS: Auch mit Herrn Seemann bin ich mir völlig einig. Und die Impulsregion Apolda-Jena-Weimar-Erfurt, die Herr Giese mitvertritt, wird genau über die große Ausstellung „Bauhaus klassisch" in den Blick genommen. Aber das gesamte Ereignis 90 Jahre Bauhaus spricht nicht zwingend für eine Landesausstellung. Denn das implementiert, dass wir mit dieser Landesausstellung individuell stehen. Und das ist nicht so. Denn Dessau, Berlin und hoffentlich Thüringen werden in Berlin eine ganz entscheidende Ausstellung haben, die auch international präsent sein wird.

Noch einmal, wie konnte so ein Kommunikations-Gau entstehen? Immerhin liegt im Kultusministerium immer noch eine Kabinettsvorlage zu dem Thema Landesausstellung Bauhaus.

ALTHAUS: Da mag ja sein. Aber das Kultusministerium ist nicht die Institution, die alleine entscheidet, ob wir eine Landesausstellung machen, oder nicht. Eine solche Entscheidung beschließt das gesamte Kabinett.

War es nicht vielmehr so, dass Ihr Staatskanzleichef Gerold Wucherpfennig im Alleingang eine Idee aus seiner alten niedersächsischen Heimat zur Landesausstellung erklärte? Dort gab es 1994 in Duderstadt eine Landesausstellung mit dem identischen Namen „Natur im Städtebau". Und ausgerechnet in den 90ern war Wucherpfennig im zuständigen Landkreis Göttingen Leiter des Amtes für Regionalplanung- und Städtebau.

ALTHAUS: Das ist absoluter Unfug. Wir haben in den vergangenen 16 Jahren in Thüringen so viele Städte von Grund auf städtebaulich und landschaftlich saniert. Dieses Beispiel kann man überhaupt nicht übertragen. Um „Natur im Städtebau" zu präsentieren, haben wir lange nach einem geeigneten Format gesucht. Eine Landesausstellung passt genau. Eine Gartenschau nicht, weil auch der städtebauliche Charakter eine Rolle spielt.Bei meinen Thüringen-Touren bin ich sehr oft von Bürgermeistern gefragt worden: Kann man so etwas nicht auch einmal überregional präsentieren? Dass dann ein Titel gefunden wurde, der schon einmal in Deutschland benutzt worden ist: Das ist doch völlig vernünftig.

Ist das nicht ein Rückfall in alte Zeiten? Wir wollen doch gerade nicht das Wurst-Wald-und-Wiesen-Image konservieren.

ALTHAUS: Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben eine Identität über unsere Heimatbindung. Wenn wir die nicht erhalten, halten wir auch nicht unsere Menschen bei uns. Das Bauhaus ist eine Zukunftsperspektive, die auf eine gute Vergangenheit baut, die aber auch durch den Nationalsozialismus zerstört worden ist – in Thüringen und in ganz Deutschland.

Auch Thüringens Touristiker haben sich schon auf eine weltweit die Menschen ansprechende Bauhaus-Landesausstellung gefreut.

ALTHAUS: Alles was Recht ist: Wir haben 1994 den 75. Jahrestag des Bauhauses gehabt, 1999 den 80. Geburtstag, 2009 werden wir den 90. Jahrestag haben. Wir werden das Jubiläum 90 Jahre Bauhaus mit besonderen Aktivitäten in Thüringen und ganz Deutschland unterstützen – regional, national und international.

Also hat es nicht an einem schlechten Konzept gelegen, wie Ihr CDU-Fraktionskollege, der Weimarer Landtagsabgeordneten Peter Krause, kritisierte?

Althaus: Ein solches Konzept passt nicht zu einer Landesausstellung. Weil Bauhaus eben nicht nur in Weimar, in Thüringen, in Deutschland, sondern international gefeiert wird.

Können Sie allen Bauhaus-Fans und –Verantwortlichen die Zusage geben, dass das 90. Jubiläum von der Landesregierung in äußerster Form finanziell unterstützt wird?

ALTHAUS: Wer damit nur Geld verbunden hatte, der entlarvt das Thema als mögliche Chance, Subventionen zu bekommen. Es geht um die Inhalte.

Aber ohne Geld gibt es keine Inhalte.

ALTHAUS: Die Stiftung Weimar Klassik und die Bauhaus-Uni werden stark durch Thüringen finanziert. Und es ist doch selbst redend, dass die ganzen Bauhaus-Projekte, sowohl öffentliches Engagement des Landes als auch des Bundes brauchen. Und bei der Landesausstellung „Natur im Städtebau" wird Vorhandenes präsentiert, nichts Neues finanziert.

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