Dieter Althaus

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15.02.10 13:36

"Krone" Interview


Dieter Althaus regierte den deutschen Freistaat Thüringen und erlangte durch einen schrecklichen Skiunfall bei uns traurige Bekanntheit. Nun wechselte er zu Magna. "Warum?", fragt ihn "Krone"-Interviewerin Nadia Weiss.

"Krone": Herr Althaus, Magna-Chef Siegfried Wolf hat bei Ihrer Bestellung betont, dass er sich mehr Durchlässigkeit zwischen Politik und Wirtschaft wünschen würde. Wie sehen Sie das?


Dieter Althaus: Genauso. Wir haben heute die Aufgabe, aus der Politik heraus die Abläufe der Wirtschaft genau zu kennen, um für optimale Voraussetzungen zu sorgen. Umso wichtiger ist es, dass Menschen aus der Wirtschaft in der Politik aktiv werden und umgekehrt.

 

"Krone": Warum funktioniert das in abnehmendem Maße? Besteht Misstrauen zwischen Politik und Wirtschaft?


Althaus: Das ist unterschiedlich begründet. Wenn jemand in die Politik geht, ist es häufig so, dass er eine Karriere anstrebt, die bis in den Ruhestand hineinreicht. Auf der anderen Seite ist es für einen erfolgreichen Wirtschaftsmann mitunter schwierig, den Umstieg in die Politik vorzunehmen. Deshalb finde ich es gut, wenn es von Zeit zu Zeit doch jemand tut, wenn sich die Gelegenheit bietet, so wie jetzt bei mir. Politik und Wirtschaft können nicht abgekoppelt voneinander funktionieren. Der permanente Austausch ist eine Grundvoraussetzung für beide, um erfolgreich zu sein. Dies betont ja auch Siegfried Wolf immer wieder.

 

"Krone": Wie sieht Ihr Aufgabenbereich bei Magna aus?


Althaus: Ich bin in erster Linie für alle Gruppen zuständig, die den direkten Kontakt zum Kunden Volkswagen haben. Es geht im Wesentlichen darum, dass die Kunden-Bedürfnisse wahrgenommen und optimal erfüllt werden. Ich werde diese Aufgabe für Deutschland, aber auch international wahrnehmen.

 

"Krone": Ist das Lobbying?


Althaus: Nein, absolut nicht! Das ist eine klassische Managementaufgabe.

 

"Krone": Beinhaltet Kundenbetreuung auch das Bemühen, neue Aufträge an Land zu ziehen?


Althaus: Die Verkaufs- und Preisverhandlungen bleiben bei den einzelnen Gruppen und den Top-Verantwortlichen. Natürlich bemühe ich mich neue Geschäftsbeziehungen anzubahnen, wenn ich Magna als Gesamtunternehmen repräsentiere.

 

"Krone": Was begeistert Sie derart an der Geschäftskultur von Magna?


Althaus: Frank Stronach hat bereits in der Gründungszeit sehr darauf geachtet, dass die einzelnen Bereiche des Unternehmens und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel Eigenverantwortung übernehmen. Das zeichnet die Firmengruppe aus, ganz so wie Frank Stronach immer sagt: "Die richtige Idee gewinnt." Was mir auch sehr gefällt, ist die starke Mitarbeiterorientierung.

 

"Krone": Trotz Bemühungen von diversen Seiten und auch Ihrer Unterstützung hat Magna im Herbst 2009 nicht den Zuschlag erhalten, sich bei Opel einzukaufen. Nun sollen in Deutschland mehr als 8000 Stellen abgebaut werden. Wie wird eine solche Nachricht aufgenommen?


Althaus: Sie wird mit großer Skepsis und Bedauern zur Kenntnis genommen, denn in den Opel-Werken arbeiten engagierte und qualifizierte Menschen und dass wir nach knapp eineinhalb Jahren bei der Frage Opel noch immer nicht weiter sind, ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter problematisch.

 

"Krone": Ist ein Ende der Autokrise in Sicht?


Althaus: Die Automobil- und Autozuliefererbranche wird in Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft bleiben, der auch wieder neue Arbeitsplätze schaffen wird.

 

"Krone": Welche Standorte werden Ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren besonders relevant sein?


Althaus: Deutschland, Österreich und die anderen europäischen Länder müssen darauf vorbereitet werden, dass Mobiliät auch für die nächsten Generationen ein umsetzbares Konzept bleibt. Relevant werden vor allem die bekannten Wachstumsmärkte wie China, Indien, Russland, Südamerika sein. Hier geht es für Magna darum weiterführend mit dabei zu sein, damit die Mobilität des 21. Jahrhunderts nachhaltig gelingt.

 

"Krone": Bei Nachhaltigkeit denken Sie wahrscheinlich an die Elektromobilität?


Althaus: Ja, aber es geht auch um die Frage der Umweltverträglichkeit ganz allgemein und die individuelle Gesamtkonzeption neuer Fahrzeuge für neue Märkte. Es gilt die Bedürfnisse rechtzeitig richtig zu erkennen: in Bezug auf die Technik, aber auch auf den Preis.

 

"Krone": Welchen Beitrag könnte die Politik dazu leisten?


Althaus: Sie muss Rahmenbedingungen schaffen und dafür Sorge tragen, dass die privatwirtschaftlichen Möglichkeiten erhalten bleiben und Wissenschaft und Forschung auf hohem Niveau ermöglicht werden. Außerdem hat uns die Krise gelehrt, dass auch international die Regeln der sozialen Marktwirtschaft durchgesetzt werden müssen.

  

"Krone": Nach der verlorenen Wahl in Thüringen haben Sie sich kurzfristig komplett zurückgezogen, um dann doch wieder in die Politik einzusteigen, bis sie nun, wenige Monate später, doch den Abschied nehmen. Ist Ihnen die Entscheidung schwer gefallen, oder war das Angebot von Magna einfach zu verlockend?

 Althaus: Ich bin seit zwanzig Jahren in der Politik aktiv, Sie können sich daher vorstellen, dass es für mich ein sehr großer Schritt war. Viele meiner Ziele habe ich erreicht, ich konnte in meinen unterschiedlichen Ämtern viel bewegen, aber jetzt, nach dem Ergebnis der Wahl im Vorjahr, war mir klar, ich muss, um die große Koalition in Thüringen zu ermöglichen, meinen Rücktritt einreichen. Somit war klar, dass ich noch einmal einen neuen Lebensabschnitt beginne, dass er mit Magna beginnt, ist umso erfreulicher.