Dieter Althaus

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20.03.17 16:24

„Nicht ein Amt schafft die Autorität, sondern die Person“

Wofür sich Leben lohnt Dieter Althaus war ein politischer Hoffnungsträger mit Plänen und Visionen, bis zum Neujahrstag im Jahr 2009   Thüringer Allgemeine / Gisela Reinhardt / 18.03.17


Heiligenstadt. Auch wenn der Name Hobellied nicht immer geläufig ist, die Zeile Das Schicksal setzt den Hobel an und hobelt alles gleich wurde zu einem geflügelten Wort. Und genau dieses kam mir in den Sinn, als ich mich mit Dieter Althaus (58), verheiratet, zwei Töchter, ein Enkel, zum Thema "Wofür sich Leben lohnt" unterhalten habe. Wenn das Schicksal den Hobel ansetzt, schaut es nicht nach Rang und Namen. Es hobelt ohne Ansehen der Person. Dieter Althaus ist bis heute der smarte, jugendlich wirkende Freund mit Charisma, Charme und Ausstrahlung. Er war ein politischer Hoffnungsträger mit Plänen und Visionen, bis zum Neujahrstag 2009. Durch einen Skiunfall kam eine Frau ums Leben, und er selbst erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Für Dieter Althaus bedeutete es: Von einem Moment auf den anderen ändert sich das Leben – und es wird nie wieder so, wie es mal war. "Trotz zahlreicher Therapien konnte ich mir weder etwas merken, noch hatte ich die notwendigen Reaktionen. Ich habe die Stärkenpädagogik bei mir selbst angewandt und so meine Defizite überspielt. Diese eigenen Defizite so eklatant festzustellen, damit kam ich nur schwer zurecht." Dieter Althaus hat nach wie vor keine Erinnerung an den Ski-Unfall. Mit Disziplin, einem festen Willen und Therapien konnte er mit schauspielerischer Höchstleistung den Menschen suggerieren, dass er alles gut überstanden hatte. Wer ihn kannte, sah das etwas anders. Viele Menschen nahmen Anteil an seinem Schicksal, aber er erfuhr auch genügend Boshaftigkeit. Heute resümiert Dieter Althaus: "Gerade in diesen Situationen habe ich die Kraft der Familie und der wahren Freunde gespürt. Ich war der Meinung, wenn ich auf die Wiederübernahme meines Amtes zugehe, das ich gern ausgeführt habe, bekomme ich die vitalisierende Kraft. Der Wahltag brachte dann die Ernüchterung. Nachdem ich die Situation verinnerlicht hatte, gab es für mich nur den Weg des einhundertprozentigen Rücktritts. Auch wenn diese Zeit eine schmerzhafte war, habe ich viel gelernt. Politiker denken in der Regel, dass sie gemocht werden, wenn sie Erfolg haben. Das stimmt aber nur zu einem sehr geringen Teil. Heute arbeitet Dieter Althaus in der Wirtschaft. Seit Januar 2017 ist Dieter Althaus Vorsitzender des Aufsichtsrates der Raphael-Gesellschaft gGmbH Heiligenstadt. Als 1991 mit dem Vorläufigen Bildungsgesetz (VBiG) die Schulpflicht für geistig behinderte Kinder, rechtlich verbindlich, eingeführt wurde, ahnte er nicht, dass möglicherweise einmal sein Enkel betroffen sein könnte. Ich war seit Januar 1990 Schulrat und kam damit später als Politiker im Landtag vom Fach. Ich hatte außerdem einen umfassenden persönliche Erfahrungsraum mit Behinderten in Ershausen und dem Raphaelsheim. Das ist es, was ihn bis heute ausmacht: seine soziale Einstellung, seine christliche Prägung und sein Engagement für Menschen, die ihn brauchen. Ich bringe mich gern ein und übernehme Verantwortung." Der wichtigste Wert im Leben ist für Dieter Althaus die maximale Nutzung der individuellen Stärken für die Gesellschaft. Ein zweiter Wert ergibt sich durch die Einhaltung von Normen und durch das Bewusstsein, für die Gemeinschaft Eigenverantwortung zu leben und sich auch einordnen zu können. Als dritten Wert sieht er die Bereitschaft, auch in schwierigen Situationen überzeugend und standhaft zu bleiben. Bei der Frage nach Glück steht die Familie an erster Stelle. "Unser Enkel Johann ist mit seinen gut drei Jahren der liebste Enkel der Welt. Er hat Trisomie 21, und wir erleben immer neue Stärken an ihm. Ich werde alles dafür tun, dass diese Stärken gefördert werden, denn dann hat er eine gute Lebensperspektive. Als weiteren Glücksmomente nennt Dieter Althaus gute menschliche Gemeinschaften in denen er lebt. Es macht mich auch froh, wenn ich nach gewissen zeitlichen Abständen sehe, dass sich der eigene oder gemeinschaftliche Einsatz für eine Sache gelohnt hat." Ärgerlich machen ihn Egoismus oder fadenscheinige Begründungen von Menschen, die letztlich keine Verantwortung übernehmen wollen. Zukunftssorgen machen ihm "die Oberflächlichkeit, mit der wir mit der Technologie der Digitalisierung umgehen. Traurig macht mich auch, zu erleben, wie unsere Gesellschaft, die wir 1990 als echte Gemeinschaft erleben durften, so stark auseinanderdriftet. Wir können unsere Werte aber nur erhalten, wenn wir, das heißt jeder Einzelne, dafür Sorge tragen. Vieles hat sich verändert. Wir erleben, dass das, was uns wichtig ist, von unseren Kindern nicht mehr so gesehen wird." Sein Lebensmotto beschreibt Dieter Althaus so: "Nicht ein Amt schafft die Autorität, sondern die Person." Als Botschaft von Dieter Althaus steht der Wunsch, dass jeder versuchen sollte, dazu beizutragen, dass es in seinem persönlichen Umfeld durch den eigenen Beitrag positiv weitergehen kann.

"Wofür sich Leben lohnt ist eine gemeinsame Aktion der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis und unserer Zeitung (Thüringer Allgemeine)"

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