Dieter Althaus

37308 Heilbad Heiligenstadt

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< „Religion muss politisch sein, weil es um den Menschen geht“
3.03.16 09:22

Dieter Althaus besuchte Benedikt XVI.

»Er kam uns zu Fuß entgegen«


in Rom und sprach mit ihm über Thüringen, Flüchtlinge und 2017 DIE ZEIT:

 

Herr Althaus, Sie haben eben den deutschen Papst im Ruhestand besucht. Warum?

 

Dieter Althaus: Ich wollte ihm noch einmal danken, dass er vor fünf Jahren, während seiner Deutschlandreise, auch in meiner Heimat Thüringen und speziell im Eichsfeld war. Danach entstand dort am Wallfahrtsort Etzelsbach ein Informations- und Pilgerzentrum, das jährlich Tausende Menschen anzieht. So hat der Papstbesuch etwas für die Zukunft bewirkt.

 

ZEIT: Nächstes Jahr, zum Reformationsjubiläum, wird sich zeigen, ob Katholiken und Protestanten zu einer Freundschaftsgeste fähig sind. Sie sind Katholik. Finden Sie Päpste denn politisch wichtig?

 

Althaus: Aber ja. Ich habe Benedikt XVI. während meiner Laufbahn als Politiker zweimal persönlich bei einer Audienz getroffen. Immer war spürbar, dass er das Christliche als wesentliche Substanz unserer modernen Gesellschaft sieht. Im Augustinerkloster in Erfurt sprach er sehr respektvoll über Luther, und der jetzige Papst betonte kürzlich, dass wir Christen das Gemeinsame noch mehr in den Mittelpunkt rücken müssen, um Kraft zu schöpfen für den interreligiösen Dialog – und den Dialog mit allen Menschen guten Willens.

 

ZEIT: Wie kam Ihr Treffen mit Benedikt zustande?

 

Althaus: Ich habe einen guten Bekannten, der eng mit Erzbischof Georg Gänswein zusammenarbeitet. Er organisierte eine Begegnung in den Vatikanischen Gärten, nahe bei dem Haus, wo Benedikt wohnt. Er kam uns zu Fuß entgegen, wir saßen bei wunderbarem Wetter neben einer Nachbildung der Kapelle von Lourdes. Schön war, dass er mich, meine Frau und den Eichsfelder Landrat Dr. Henning sofort erkannte: Ach, rief er, die Eichsfelder!

 

ZEIT: Worüber haben Sie gesprochen?

 

Althaus: Er wollte zuerst wissen, ob sein Deutschlandbesuch und auch die Marienvesper im Eichsfeld Nachwirkungen hatte. Dann, wie es um die Kirche in unserer Region steht. Und natürlich, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen, ob wir sie integrieren können.

 

ZEIT: Mitteldeutschland gilt als Pegida-Land. Was haben Sie geantwortet?

 

Althaus: Dass es natürlich Sorgen, Ängste und manchmal Hass gibt. Dass aber im Mittelpunkt Fürsorge und Hilfe stehen. Er sagte, wir brauchen auch dringend politisch nachhaltige Lösungen für jene Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, denn die meisten würden lieber in ihrer Heimat bleiben. Wir waren uns einig, dass der Frieden weltweit nicht durch kulturelle oder religiöse Abschottung gelingen kann.

 

ZEIT: Hatte Benedikt auch eine Bitte an Sie?

 

Althaus: Er hat uns gesegnet. Er machte uns Mut und wünschte uns Kraft, durch positives Beispiel den Glauben lebendig zu halten.

 

ZEIT: Wie politisch darf ein Christ sein?

 

Althaus: Wir Christen in Ostdeutschland waren immer politisch. Das Leben in der Diktatur hat unser Denken bestimmt, und wir sind heute noch froh, dass mithilfe der Kirchen eine Revolution gelingen konnte. Ich habe übrigens mit meiner Frau und Freunden in den neunziger Jahren Papst Johannes Paul II. besuchen dürfen. Er war für den Zusammenbruch des Kommunismus und die Wiedervereinigung ganz entscheidend.

 

ZEIT: Stört es Sie, dass es in Ostdeutschland so wenige Kirchenmitglieder gibt?

 

Althaus: Es ist ein Fakt, auch weil der Sozialismus versuchte, den christlichen Glauben in die Bedeutungslosigkeit zu versenken. Das ist gründlich misslungen. Auch dank der Friedensgebete von 1989 gelang die friedliche Revolution. Das Christentum hat sich bei uns in der Grundsubstanz und im Glauben und Hoffen auf eine bessere Welt erhalten.

 

ZEIT: Was wünschen Sie sich für 2017? Soll der neue Papst ins Land der Reformation kommen?

 

Althaus: Ich denke, die Einladung an Franziskus wurde schon von der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten ausgesprochen. Und ich hoffe, dass er auch im Jahr 2017 so große Begegnungen möglich macht wie die mit dem Patriarchen Kyrill.

 

ZEIT: Sie waren schon im Apostolischen Palast. Bedauern Sie, dass Franziskus dort nicht wohnt?

 

Althaus: Ich verstehe, dass Franziskus Zeichen setzen will, die anders sind als die Zeichen Benedikts. Wir leben auch aus Symbolen, nicht nur durch Worte. Franziskus hat schon viel bewegt, auch durch die Art, wie er sein Amt versteht.

 

Die Fragen stellte Evelyn Finger