Dieter Althaus

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29.11.11 10:28

Dieter Althaus an der HfWU in Geislingen

www.autohaus.de/hbblog/ HB ohne Filter vom 25. November 2011


Auch ein Hochschullehrer erlebt gelegentlich sein Paradies auf Erden. Der heutige Tag gehört dieser Erlebnistiefe. Ich hatte den früheren Ministerpräsidenten von Thüringen bei der IAA zu einem Vortrag an die Hochschule in Geislingen eingeladen. Er sagte spontan zu. Und er kam! Dieter Althaus steht die Stadt Eisenach sehr nahe. Hier die Geburtsstätte des größten Musikers aller Zeiten, J.S.Bach, die Wartburg, der BMW „Dixi“, der automobile “Wartburg” zu DDR-Zeiten, das klare Ja von Opel zu Eisenach und der weit gediehene Opel-Verkauf an Magna 2009. Althaus ist darüber hinaus selbst Pianist und Bach-Fan. So  haben wir ihn an der Hochschule mit dem John Lennon-Song “Imagine” empfangen. “Bach meets the Beatles” heißt die sensationelle CD, auf der John Bayless im Stile Bachs über Beatles-Songs improvisiert. Althaus hatte seine Freude daran.


“Freiheit und Mobilität sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.”
Dieter Althaus war zum gestellten Thema “Sind Automobilwirtschaft und Politik feindliche Brüder?” mit beeindruckenden Charts bestens präpariert und mental sehr gut drauf. Althaus, seit 2009 als Vice President Governmental Affairs bei Magna Europa tätig: “Wir hatten in der früheren DDR vor lauter Planung und Lenkung förmlich ausgelenkt. Es fehlte der Wettbewerb. Ideen lassen sich nicht planen. Ideen muss man fördern! Das erfordert Freiheit. Und der Tugend der Freiheit galt unsere größte Sehnsucht. Wer aber Freiheit wirklich leben möchte, braucht dazu Mobilität. Und nach Grenzöffnung gab es für den Normalbürger nur einen sichtbaren Ausdruck für Freiheit: ein Westauto! Das Auto als Ausdruck besonderer Individualität. Ich hatte zu dieser Zeit schon einen Wartburg geordert. Er sollte dann 1996 geliefert werden. Daraus wurde Gott sei Dank nichts mehr.”


Althaus angesprochen auf die offenen Fragen der Wiedervereinigung: „Ich wünschte mir gegenseitig größeren Respekt für die individuelle Lebensgeschichte des Einzelnen. Für die meisten war die politische Gegebenheit in der DDR eine Konstante, die nicht beeinflussbar war. Sehr viele Menschen hatten sich mit ihrem Schicksal dieser Tatsache zu beugen. Sie sind an vielen Fehlentwicklungen gar nicht schuld. Mangelnde Sensibilität für dieses Faktum führt beim Einzelnen zu einer persönlicher Kränkung.“
Althaus spann dann einen Bogen über Magna und die Welt der Zulieferer: “Die Automobilzulieferindustrie setzt auf Technologieentwicklung, Vernetzung, Schnelligkeit und Qualität.” Ein weiterer Themenkomplex galt der Globalisierung, den gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen in der Welt, und daraus leitete Althaus seinen ordoliberalen Politikansatz für die Wirtschaft ab (Siehe Ludwig Erhards Aussage, als Spruch der Woche unten). Der Gast wurde in der vollbesetzten Aula der Hochschule mit langanhaltendem Applaus bedacht und stellte sich anschließend im persönlichen Dialog den Fragen der Studenten und Studentinnen. Althaus, heute 53 Jahre alt, studierte theoretische Physik, unterrichtete Physik, wurde unmittelbar nach Grenzöffnung Schulrat, erhielt ein Landtagsmandat angeboten, war im Kabinett von  Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel acht Jahre lang Kultusminister und anschließend sechs Jahre lang erfolgreicher Ministerpräsident. Hört man ihn von seiner jetzigen Tätigkeit reden, staunt man, wie rasch er sich in die automobile Detailwelt und die sensiblen Verwobenheiten eingearbeitet hat. Mit großem Engagement baut er im Lande wie international Produktionsbrücken auf. VDA-Präsident Matthias Wissmann feierte im April seinen 60. Geburtstag. Man kann sich Dieter Althaus bereits als künftigen Nachfolger am Tage X vorstellen! Da sagte mir unlängst ein hochrangiger ehemaliger Daimler-Manager: “Herr Brachat, wenn ich gewusst hätte, wie schön der Ruhestand ist, wäre ich schon viel früher gegangen. Der Ruhestand ist die schönste Entdeckung in meinem Leben. Allerdings, unter einer Voraussetzung: Man muss sich nicht einschränken.” Ein hoch auf die Daimler-Betriebsrente! Wie lange die wohl noch so sozial bleiben kann?

Prof. Hannes Brachat
Herausgeber AUTOHAUS