Dieter Althaus

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< Dieter Althaus ĂĽber sein Treffen mit dem Papst
28.09.11 15:34

Ende einer Dienstfahrt


Dieter Althaus: Der Katholik tat alles, um den Papst in seine Heimat zu holen.

ORTSTERMIN Im Auto mit Dieter Althaus:

Wie ThĂĽringens einstiger Landeschef versuchte, den Papst zu treffen
Von Volker Resing (DIE ZEIT - Christ & Welt)

Es hätte ein Triumphzug sein können und es wurde ein Familienausflug. „Hast du an die Kamera gedacht?“, ruft seine Frau aus dem Haus. Dieter Althaus steht draußen auf der Einfahrt an seinem weißen Audi und lädt eine gut einen Meter lange Mettwurst in den Wagen ein. „Feldkieker“ nennen sie im Eichsfeld diese Spezialität. Die will er dem Papst schenken. Direkt in die Hand drücken geht nicht. Aber er kennt noch ein paar Leute von der Schweizergarde, die helfen ihm, das Mitbringsel an der Sicherheit vorbei in den Vatikan zu schmuggeln. Der frühere Ministerpräsident muss jetzt alles selbst machen. Das Protokoll, den Fahrer und die gepanzerte Limousine gibt es für ihn nicht mehr. Auf der Fahrt durchs grüne Eichsfeld zum Pilgerfeld, wo gleich der Papst beten wird, erzählt
er, wie alles kam und wie es hätte sein sollen. Er sitzt jetzt selbst am Steuer. Kein Blaulicht mehr vorneweg. Aber eine Sondergenehmigung hat er noch und
kann den Wagen an den vielen Sperren vorbeilenken, die rund um die Wallfahrtskapelle die StraĂźen blockieren. Althaus hat den Papst ins Eichsfeld geholt. Ohne ihn wäre er nicht von der staatstragenden Reiseroute Berlin–Erfurt–Freiburg abgewichen. Es ist sein Besuch. Dieser Abstecher ins winzige Etzelsbach war das Unwahrscheinlichste ĂĽberhaupt. Dort gibt es kein Stadion, keine Verkehrswege, noch nicht mal eine Bischofskirche. Aber der Papst kommt. 90 000 Gläubige warten an diesem sonnigen Freitag im Spätsommer auf das Kirchenoberhaupt. Mitten in der Natur. Althaus fährt durch kleine Dörfer, die Leute haben die StraĂźen mit bunten Fahnen geschmĂĽckt. Der Papst ist schon in Erfurt gelandet, das hat er mittags im Fernsehen verfolgt. Alles drängte sich um seine Nachfolgerin Christine Lieberknecht (CDU). Sie hat den Papst am Rollfeld begrĂĽĂźt, sie hat ihm die Landeshauptstadt gezeigt, sie fährt mit zum Augustinerkloster und sie wird mit ihm ins Eichsfeld fliegen. Er hat die Live-Ăśbertragung dann doch schnell ausgeschaltet. Der Wagen musste noch gepackt werden. Unterwegs erzählt er dann, wie er 2006 zum Papst in den Vatikan gereist ist und ihn persönlich nach ThĂĽringen und ins Eichsfeld eingeladen hat. Auch im Osten gebe es mutige Katholiken, habe er ihm gesagt. Die haben unter zwei Diktaturen gelitten. Und der Papst hat genickt. Später ist er noch mal in Rom gewesen. Den Feldkieker haben ihm die Metzger der Region damals schon mitgegeben. Der Papst nickt wieder. Ein Kardinal aus dem Staatssekretariat schreibt ihm dann einen Brief, in dem die Zusage auf vatikanischem Papier festgehalten wurde. In ThĂĽringen ist er belächelt worden, auch Bischöfe haben den Kopf geschĂĽttelt. Der Papst kommt gar nicht mehr nach Deutschland, ins Eichsfeld schon mal gar nicht. Althaus, der Ministerpräsident, wusste es besser. Er hat das Geheimnis mit ein paar  Getreuen fĂĽr sich behalten. Und im Eichsfeld haben sie die StraĂźen schon mal neu geteert. Dann kam der tödliche Ski-Unfall, sein unglĂĽcklicher RĂĽckzug aus der Politik 2009. Und der Papst war auch noch nicht da. Die Fahrt nach Etzelsbach ĂĽber die schicken neuen Wege ist jetzt sein größter Erfolg – und doch schmerzt sie ihn. Der Erfolg ist da, aber er kann ihn nur still genieĂźen. Kurz vor der Wallfahrtskapelle hält die Polizei ihn dann doch noch an. Die Beamten
der Einsatzgruppe kommen aus dem Saarland, sie erkennen Althaus nicht sofort und lassen sich die Papiere zeigen. „Sie müssen noch warten“, heißt es dann.
„Der Lkw muss noch entladen werden.“ Althaus steigt aus, stellt sich auf die StraĂźe und schaut zu. Aus dem Laderaum des Lasters rollt das Papamobil. NatĂĽrlich noch leer. Althaus freut sich. Das Gefährt des Heiligen Vaters berĂĽhrt den Boden seiner Heimat. Sein Triumphzug, ganz allein, ganz kurz, denn die anderen sind alle – Gott sei Dank – ja noch nicht da. Später dann, als der Papst in den goldgelben Abendhimmel aufsteigt und das Eichsfeld wieder verlässt, kommt Dieter Althaus noch ins VIP-Zelt und erzählt. Er hat noch mit ihm gesprochen. Am Hubschrauber hat er mit dem Papst zusammengestanden. Bedankt hat er sich fĂĽr das Geschenk, erzählt er. Der Papst hat gesagt, wie sehr er sich freue. Der Traum ist Wirklichkeit geworden. GlĂĽcklich? „In Etzelsbach herrschte  eine getragene Fröhlichkeit“, sagt Althaus. „Gibt es so ein GefĂĽhl ĂĽberhaupt?“