Dieter Althaus

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< 7. Fiechter Wirtschaftsgespräche
2.09.11 15:36

Willkommen im Eichsfeld, Heiliger Vater!

FRIEDE UND HEIL - 77. Jahrgang - Nr. 4-2011 Zeitschrift der Franziskaner-Minoriten


Papst Benedikt der XVI. wird im September Deutschland besuchen. Im April 2008 durfte ich bei einer Privataudienz meine Einladung an den Heiligen Vater, Deutschland und speziell Thüringen zu besuchen, erneuern. Das er in diesem Jahr kommt und neben Berlin und Freiburg auch Erfurt und meine Heimat, das katholische Eichsfeld besucht, macht mich persönlich sehr stolz. Im damaligen Gespräch mit Papst Benedikt erörterten wir auch die besondere Situation der Christen während der DDR-Zeit.

Wenn der Heilige Vater nun im Eichsfeld den Wallfahrtsort Etzelsbach besucht, ist dies auch eine Wertschätzung für die Beständigkeit der Christen in der Zeit der deutschen Teilung. Als am 9.November 1989 die Mauer fiel, war das der Durchbruch für Freiheit und Demokratie in meiner Heimat und es war der Startpunkt für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes. Damit ging ein Weg des Leidens, der Entbehrungen, des Ertragens aber auch der Standhaftigkeit für viele  Christen in der DDR zu Ende. Als der Pole Karol Józef Wojtyła zum Papst gewählt wurde, waren wir alle stolz, dankbar und hoffnungsvoll. Papst Johannes Paul II war für uns ein Hoffnungszeichen. Er hat uns Katholiken, lebend im abgeschlossenen System des Kommunismus, ermutigt. Nun hat sich die Welt grundlegend verändert. Europa ist nicht mehr geteilt und der Kommunismus ist weitgehend von der politischen Bildfläche verschwunden. Die Globalisierung, die bisher vor allem ökonomisch getrieben ist, muss von uns umfassend gestaltet werden. Als Christen sind wir dabei gefragt. Es ergeben sich zum Teil neue und auch existenzielle Fragen: Wie gestalten wir die Freiheitsräume, wie schaffen wir eine nachhaltige Wohlstandsperspektive, was bedeutet nachhaltiges Wirtschaften. Eine nachhaltige Politik muss entworfen und praktiziert werden. Wir haben als Christen unter dem Stichwort der Bewahrung der Schöpfung den Auftrag darauf zu achten, dass die Schöpfung zum Wohle aller Menschen genutzt und für die  Zukunft erhalten bleibt. Wir brauchen einen Kompass nach dem wir unseren Weg ausrichten und dieser Weg braucht Leitplanken. Wir haben in den letzten Monaten existenziell manche Nöte gespürt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der Tsunami in Japan stellen Fragen und geben Aufgaben auf. Um richtige Antworten zu finden sind wir als Christen zu einem klaren und bekennendem Leben aufgerufen. Dabei steht die Frage, wie ist es um den geistigen und geistlichen Grundwasserspiegel in unserer Gesellschaft bestellt: Wie stehen wir zur Familie und welche Zukunft hat sie, welche geistigen Orientierungen prägen unsere persönlichen und gesellschaftlichen Entscheidungen,  wie schaffen wir es unsere Grundüberzeugungen als Katholiken zu leben,  wie sieht praktische Toleranz beim Zusammenleben aller Menschen guten Willens aus? Vom Papst Benedikt erhoffen wir uns bei seinem Besuch Bestärkung und Wegweisung. Der Besuch des Papstes erfolgt in einem weitgehend entchristlichtem Land mit starker protestantischer Prägung. Deshalb wird ein besonderer Schwerpunkt die Ökumene sein. Das was uns verbindet steht dabei im Mittelpunkt. Wir als Katholiken leben in einer absoluten Minderheit in den Ländern der ehemaligen DDR. In meiner Heimat dem Eichsfeld, sind wir als Katholiken viele. Wir wollen Sauerteig sein und dazu müssen wir einen lebendigen Glauben leben.  Ich erhoffe mir auch, dass vom Besuch des Papstes eine besondere Ermutigung für unsere nachwachsende Generation ausgeht. Ihr Glaube muss gefestigt, gestärkt und lebendig sein. Die vergangenen Weltjugendtreffen stimmen mich optimistisch, dass dies gelingen kann. Natürlich werden auch die Herausforderungen vor denen die Katholische Kirche in Deutschland steht präsent sein. Weniger Priester zur Betreuung der Gemeinden, zurückgehende Zahl der Gläubigen, Aufgaben der Laien in der Kirche, Sicherung wichtiger caritativer Bereiche, …, das sind einige der diskutierten Stichworte.

Vor allem aber ist der Besuch des Heiligen Vaters  als Zeugnis für unseren Glauben in dieser  Zeit und als Zeugnis für die Beständigkeit unseres Glaubens, auch in den letzten Jahrzehnten, den Jahrzehnten der Teilung zu sehen.  Die vielen praktischen und technischen Details werden gemeistert, da bin ich sicher.
Wir Eichsfelder freuen uns auf zehntausende Gäste aus nah und fern. Wir werden durch unser Willkommen im Eichsfeld dokumentieren: Der Heilige Vater Papst Benedikt der XVI. ist im Katholischen Eichsfeld willkommen. Die Menschen in dieser Region stehen seit Jahrhunderten zum Glauben. Dieser Besuch wird uns Kraft und Hoffnung für die Zukunft geben. Von ganzem Herzen sind wir dankbar und freuen uns auf den Besuch des Heiligen Vaters in unserer Heimat dem Eichsfeld.

Dieter Althaus