Dieter Althaus

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< “ Zentralasiatische Republiken “
11.03.11 15:18

Südtiroler Wirtschaftsforum - Führen mit Persönlichkeit


Dieter Althaus über fähige Chefs, kluge Politik und lehrreiche Niederlagen

Dieter Althaus war Ministerpräsident von Thüringen und ist jetzt Manager bei Magna. Er führte in der Politik und tut es jetzt in der Privatwirtschaft. Gibt es Parallelen? Was zeichnet eine gute Führungskraft
aus?

Im SWZ-Interview gibt Althaus Antworten – und spricht über sein Schicksalsjahr 2009.

SWZ: Herr Althaus, Sie führen seit bald 30 Jahren: zuerst als Lehrer in
der DDR – damals waren es Schüler –,dann als Spitzenpolitiker in
Thüringen jetzt als Manager beim Weltkonzern Magna. In welchem Bereich
ist Führung am schwierigsten?


Dieter Althaus: Schwieriger oder weniger schwieriger – so eine Kategorisierung sehe ich da nicht. Entscheidend ist, dass ich entsprechende fachliche und persönliche Kompetenzen haben und einbringen muss, wenn ich führe. Mein Leitsatz war und bleibt: Nicht das Amt schafft die Autorität, sondern die Persönlichkeit. Eine Fehlbesetzung liegt vor, wenn das Amt die Autorität verleihen muss.

Die Tatsache, dass Sie Führungserfahrung sowohl in der Politik als auch in der Privatwirtschaft sammeln durften, macht Ihren Lebenslauf hochinteressant: Erkennen Sie Parallelen zwischen der Arbeit als Ministerpräsident und der Tätigkeit als Manager von Magna, oder handelt es sich um zwei grundverschiedene Paar Schuhe?

In der Politik wie in der Wirtschaft kommt es häufig auf die Gestaltung
nachhaltiger Prozesse an. Die Netzwerke, in denen und mit denen wir in den
jeweiligen Bereichen arbeiten, sind vielfältig verwoben. Mich leitet die Überzeugung, dass bei grundlegenden Entscheidungen sowohl das Wissen als auch die Werte, aus denen ich lebe, wesentlich sind.


Wann fühlten Sie sich eigentlich einem größeren Druck ausgesetzt: als
Ministerpräsident oder jetzt als Manager in einem Weltkonzern?

Bisher habe ich meine Arbeit immer mit Leidenschaft und aus Überzeugung
gemacht. Ich bin gerne ein Pflichtmensch.


Besitzen Politiker Ihrer Meinung nach so etwas wie eine unternehmerische
Ader?


Das kann ich nicht pauschal beantworten, denn ich kann nicht für die Politiker
oder die Manager reden, ich rede für mich. Ein Satz, der für mich und meine
Motivation wesentlich ist, stammt von Ludwig Erhard. Er lautet: „Erst auf dem
Boden einer gesunden Wirtschaft kann die Gesellschaft ihre eigentlichen und
letzten Ziele erfüllen.“ Man kann auch kurz sagen: „Der Wettbewerb ist der
Motor für Freiheit und Wohlstand.“ Diese Überzeugung nimmt den Menschen
ernst und stellt ihn in den Mittelpunkt der Gesellschaft. Das müssen die Wirtschaft und die Politik beachten.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Führungskraft aus?


Es sind mehrere Eigenschaften: Souveränität, Gelassenheit, Kompetenz, Neugierde, Konsequenz, Toleranz und erlebbare Werte.


Und jetzt noch die umgekehrte Frage: Was muss eine Führungskraft Ihrer
Meinung nach unbedingt vermeiden – in der Politik, aber auch in der
Wirtschaft?


Amtsgehabe, Arroganz, Selbstherrlichkeit, Mutlosigkeit, Inkonsequenz und
Beliebigkeit.


Während Ihrer Zeit als Ministerpräsident reduzierte sich die Arbeitslosigkeit
in Thüringen von rund 16 auf etwa 8 Prozent. Ein Verdienst des Politikers
Althaus? Oder ein Verdienst der Unternehmen? Oder von beiden?

Wir konnten ein solides Fundament für eine zukunftsfähige handwerkliche
und mittelständische Wirtschaft legen, das trägt: Familie, Bildung, Forschung
und Entwicklung, Kultur, Infrastruktur sowie eine anziehende und prägende Landschaft waren und bleibenentscheidend. Natürlich sind die politischen
Rahmenbedingungen wichtig, keine Frage. Aber kluge Politik muss unideologisch und marktwirtschaftlich orientiert sein. Dann können engagierte
Unternehmer mit ihren Mitarbeitern die Erfolgsgeschichte schreiben.

Sie sind ja ein politischer Mensch, das lässt sich aus Ihrem Lebenslauf
herauslesen. Wie schwer war es für Sie im Herbst 2009, die Niederlage
Ihrer CDU – und somit auch Ihre persönliche Niederlage – bei den
Landtagswahlen zu verdauen und als direkte Konsequenz zurückzutreten?

Der zunehmende Vertrauensverlust für die CDU ist leider nicht nur eine Thüringer Entwicklung. Es ist aber das Wesen der Demokratie, als lernende Gesellschaft in die Zukunft zu gehen. So gesehen ist 2009 ein weiteres Kapitel auf diesem Weg geschrieben worden. Ich habe es gelesen und verstanden.


2009 war ja überhaupt ein schwieriges Jahr für Sie: Zuerst der dramatische
Skiunfall, der Sie ins Koma fallen ließ und eine Frau das Leben kostete,
dann die erwähnte Wahlniederlage. Sie mussten damals erst einmal Verantwortung für sich selbst übernehmen, während Sie gewohnt waren,
immer hauptsächlich für die anderen Verantwortung zu übernehmen,
oder?


Ich habe zwei Leitplanken, das sind meine Familie und mein Glaube. So konnte ich auch diesen schweren Weg gehen.

Es heißt immer so schön, Krisen seien als Chance zu betrachten. Haben
Sie damals auch so gedacht? Oder anders: Wie schwer fällt eine solche
Denkweise, wenn die Krise jemanden persönlich trifft?

Leben ist Bewegung, das ist für mich nicht nur ein Spruch. Ich durfte 1990
in eine begeisternde politische Entwicklung starten. Da stand für mich nicht
die mögliche politische Karriere im Mittelpunkt, sondern der Wille, die Chancen
der Freiheit zu nutzen. Für mich war dabei zu jeder Zeit klar, dass daraus
kein Anspruch auf langfristige Fortsetzung erwächst. Ich hätte natürlich
gerne noch weiter die Verantwortung für Thüringen getragen, keine Frage.
Aber mein Schritt war unausweichlich, das war mir sofort klar.

Sind Sie heute noch politisch aktiv? Oder ist das Kapitel für Sie abgeschlossen?

Ich bleibe natürlich ein politischer Mensch, dafür brauche ich kein Amt
in der Politik. Aber das Kapitel Politiker ist abgeschlossen.

Interview: Christian Pfeifer

 

Hochkarätiges Wirtschaftsforum am 18. März 2011

Dieter Althaus, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen und heute
Manager im Weltkonzern Magna, ist einer von vier hochkarätigen Referenten beim diesjährigen Südtiroler Wirtschaftsforum. Dieses findet am 18. März mit Beginn um 13.30 Uhr im Forum von Brixen statt.
Neben Bischoff referieren Tschechiens Staatspräsident Václav Klaus,
Christian Bischoff, ehemalige deutsche Basketballhoffnung und heute
international tätiger Motivationstrainer und Lebenscoach („Maximize
yourself – Du lebst nur einmal“), sowie Martin Lenz, Spezialist für die Sanierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Das Thema bei dieser siebten Auflage des Wirtschaftsforums lautet
„Gestalten & verantworten – Die Zukunft liegt in unseren Händen“.
Dieter Althaus bekleidete fast 20 Jahre lang politische Spitzenpositionen
in Thüringen, sechs Jahre lang war er Ministerpräsident. Dann kam
das schwarze Jahr 2009: Zunächst war er in einen Skiunfall mit Todesfolge verwickelt, bei dem er sich selbst ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung zuzog, dann folgte im Herbst bei den Landtagswahlen der Verlust der absoluten Mehrheit, woraufhin er als Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender die Verantwortung übernahm und zurücktrat.


Das Südtiroler Wirtschaftsforum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Treffpunkt für Selbstständige und Führungskräfte gemausert und zu einer Veranstaltung, die Entscheider mit Anregungen für den beruflichen Alltag Václav Klaus, Christian Bischoff, Dieter Althaus und Martin Lenz machen das Wirtschaftsforum zum Topevent.